Der digitale Guide „Kolonialismus & Widerstand“ führt Sie durch die Dauerausstellung des Museums Fünf Kontinente. Er verbindet Stimmen aus Herkunftsgesellschaften, Diaspora, Kunst und Forschung. 3D-Modelle ausgewählter Werke, Interviews mit Expertinnen sowie künstlerische Bild-, Sound- und Videoarbeiten eröffnen vielfältige Zugänge zu kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Gewalt und Ausbeutung, sondern auch Widerstand – vom offenen Krieg bis zum alltäglichen Überleben, Erinnern und Wiederanknüpfen an unterbrochene Traditionen. Das Museum war ein Teil kolonialer Herrschaft. Heute versteht es sich als Ort, an dem kritische Auseinandersetzung, Zusammenarbeit und Formen der Reparatur erprobt werden. Der Bereich „Pick & Choose“ ermöglicht es, einzelne Werke und Expertisen frei zu erkunden.
Vier kuratierte Touren führen durch die Museumsräume: Tour 1 „Gewalt & Widerstand erinnern“ rückt koloniale Gewaltverhältnisse und ihre Folgen in den Vordergrund. Sie thematisiert Krieg, Plünderung, koloniales Forschen und die Beteiligung bayerischer Akteure am transatlantischen Handel mit versklavten Menschen. Zugleich blickt sie auf Momente des antikolonialen Widerstands. Tour 2 „Verbindungen knüpfen“ macht koloniale Verflechtungen sichtbar – insbesondere zwischen München und kolonisierten Regionen. Sie rückt Migration, Identität, Wissensproduktion und Dekolonisierung in den Blick. Wie können unterbrochene Verbindungen neu geknüpft werden? Wie hilft dabei das Erinnern vergangenen Unrechts? Tour 3 „Künstlerische Positionen“ rückt visuelle und klangliche Interventionen in den Fokus. Die eigens geschaffenen digitalen Kunstwerke befragen koloniale Archive, ihre Leerstellen und die Grenzen westlich geprägter Kunstbegriffe. Sieben Künstlerinnen eröffnen neue Sichtweisen auf Erinnerung, Heilung, Community-Wissen und indigenes Wissen. Tour 4 „Kolonialismus begegnen“ führt auf kurzem Weg zu vier Stationen in den Ausstellungen Südamerika und Subsahara-Afrika. Die gezeigten Werke beziehen sich auf den Völkermord an den OvaHerero, den Maji-Maji-Krieg sowie Gewalt gegen Indigene Gruppen am Amazonas und den Abfluss von antikem Kulturgut aus Peru.
Interaktive Check-ins und Zwischenrufe laden unterwegs zum Innehalten und zum Perspektivwechsel ein.
„Kolonialismus & Widerstand“ ist ein Angebot, koloniale Geschichte in der Gegenwart zu sehen und ihre Spuren im Museum und in der Gesellschaft kritisch wahrzunehmen.
Mit Beiträgen von:
Gladis Arosemena Caicedo de Crespo, Sokhieng Au, Eva Bahl, Denilson Baniwa, Hope Bartley, Memory Biwa, Nicola Brandt, Ignacio Crespo, Hamado Dipama, Crystal Gail Fraser, Red Haircrow, Heena Heena, Muningandu Hoveka, Bob Jahnke, Natasha A. Kelly, Khosro Kiyanrad, Ayşegül Koca, Moe Myat May Zarchi, Maria Muehombo, Luis Muro Ynoñán, Ana De Orbegoso, Nancy Rushohora, Analyn Salvador-Amores, Ibrahima Sene, Dan Taulapapa McMullin, Michel Tuffery, Gift Uzera, Tanith Wirihana Te Waitohioterangi u.a.